Mann, oh Mann. Ein Appell an uns Frauen

Aus aktuellem Anlass widme ich mich heute einem Thema, das schon lange in mir kocht – ein heißes Eisen, das vielleicht nicht jeder Schwester gefallen wird! Dazu erst einmal eine kleine Geschichte:

Eine Frau aus meinem direkten Umfeld traf, relativ frisch getrennt nach 22 Jahren Ehe, einen neuen, interessanten Mann. Ein dynamischer Mittfünfziger, schlank, sportlich, erfolgreich in seinem Hobby und dafür sehr anerkannt. Beim ersten öffentlichen Aufeinandertreffen erwähnte er, dass er die gute regionale Küche schätzt, aber schon lange nicht mehr das Vergnügen hatte. So kam es, dass sie zum ersten Date mit einem typisch traditionellen Gericht im WarmhalteTopf anrückte und ihn nach dem gemeinsamen Spaziergang auf dem Parkplatz verköstigte. Liebe geht bekanntlich durch den Magen, und so wurden die beiden an diesem Tag ein Paar und heirateten sehr bald darauf. Nach mehr als 15 Jahren Ehe ist er heute übergewichtig und herzkrank, sie körperlich ausgezehrt, mit akuten Leber und Gallenproblemen und nervlich am Anschlag.

Was ist geschehen? Es liegt mir fern, diese spezielle Beziehung zu beleuchten, denn sie ist mir persönlich sehr nah; allerdings dient sie als wunderbare Einleitung zum eigentlichen Thema:

Wie kommt heute ein Mann (wieder) in seine Kraft?

Traurig daran ist, dass dies überhaupt ein Thema ist, bzw. diese Frage überhaupt im Raum steht. Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster und lasse ungefiltert fließen, was so kommt: Ich kann diesen ganzen Dummfug von wegen Frauen müssen in ihre Kraft kommen, sich selbst feiern lernen, und sich nach jahrhundertelanger Unterdrückung durch das Patriarchat endlich befreien NICHT MEHR HÖREN. Wenn mir jemand erzählen will, dass Frauen lernen müssen, sich durchzusetzen muss ich laut lachen. Frauen wissen sehr wohl, und haben schon immer gewußt, wie sie bekommen, was sie wollen!  Wir Frauen sind Meisterinnen im Manipulieren, Kontrollieren und Fäden ziehen. Fast jede von uns weiß ganz genau, wie sie die Kraft der Kali dazu einsetzen kann, um zu bekommen, was sie will, sei es durch aktives Manipulieren oder die Rolle des hilflosen Opfers, das mit Reh-gleichem, unschuldigem Augenaufschlag an den Beschützerinstinkt im Mann appelliert. Was wir hingegen lernen dürfen ist, diese Kraft auf positiv schöpferische Weise einzusetzen – für unseren eigenen Seelenfrieden und den der ganzen Welt. Einschließlich der Männer, die wir lange genug nicht respektiert haben.

Mal ehrlich, so läuft es doch fast immer … erst fangen wir sie ein, indem wir sie betütteln, bekochen, in Reizwäsche durch die Prairie hüpfen und mit ihnen ihr Hobby teilen, obwohl es uns nullkommanull interessiert. Wir suchen ihre Klamotten aus, erinnern sie an ihre Medikamente und kontrollieren ihren Stuhlgang, pflegen womöglich ihre Mutter bis zu deren Ende, obwohl sie uns das Leben schwer machte, und wenn wir uns endgültig in diesem bescheuerten Programm so weit von uns selbst und unserer wahren Natur entfernt haben, dass wir jeglichen Respekt vor uns selbst verlieren, projizieren wir genau das nach Außen … und verlieren dabei ganz den Respekt vor ihm, weil er sich von uns hat manipulieren lassen und nicht seinen Mann steht. Erst machen wir Kleinholz aus seiner Männlichkeit und nun sind wir frustriert, weil er nicht wie eine starke deutsche Eiche an unserer Seite steht. Wenn er sich zurückzieht, um sein Ding zu  machen, mehr Zeit in der Garage verbringt als im Wohnzimmer, fühlen wir uns vernachlässigt, nicht respektiert und entwürdigt. Spätestens dann wird uns klar, dass wir uns schon immer die „deutsche Eiche“ wünschten, den starken Mann, der seine wahre Natur des Mann seins lebt. Gleichzeitig, wenn er das tut, kommen wir nicht damit klar. Warum? Weil, wir selbst nicht unsere ureigene Weiblichkeit leben.  

Wenn er einen Löwenbrüller loslässt, werfen wir ihm Aggression vor. Wenn er alleine loszieht und sein Ding macht, fühlen wir uns vernachlässigt. Wenn er im Stehen pinkelt, sich in dreckigen Jeans und Dockers wohler fühlt, als im Anzug, ist er uns nicht fein genug. Und, wenn er droht, dem Nachbarn aufs Maul zu hauen, weil der ihm dumm kommt, ist er uns zu primitiv und unkultiviert … und tausend andere Sachen. Entweder mäkeln wir so lange, bis er sein Bett in die Garage stellt oder das Zelt in den Garten, oder wir strafen ihn mit Desinteresse ab und ziehen uns immer mehr zurück. Ja, wie soll er denn sein, der perfekte Mann? Kein Wunder, dass Männer selbst nicht mehr wissen, was sie ausmacht!

An dieser Stelle zögere ich … pfftt … tief atmen. Kann, ja DARF ich überhaupt etwas darüber sagen, wie ein Mann in seine wahre Kraft kommen köööönnte? Darf ich mir als Frau anmaßen, Männern den Weg zu zeigen?

Ich weiß es nicht.

Aber eines weiß ich, weil es sich in meinem Herzen richtig anfühlt:

Der Archetyp des Mannes, sprich seine ursprüngliche Männlichkeit liegt in der Kraft des Tuns. Das Ur-Maskuline ist kreativ und immer erschaffend. Von Innen nach Außen erschafft der Mann das, was er in seiner Vision vor sich sieht. Der Weg zurück in seine ursprüngliche Manneskraft führt ihn zu drei Fragen, die er klären darf, um in seine Mitte zu finden.

1. Was für eine Art Rollenmodell war mein Vater für mich?
2. Wie war meine Beziehung zur Mutter? Hat sie wirklich von mir losgelassen - und ich von ihr?
3. Wieviel von dem, was ich bisher in meinem Leben getan habe, basierte insgeheim auf den ersten beiden Beziehungen … entweder in unbewusster Nachahmung, oder aus einer unbewussten Trotzhaltung demgegenüber?

Dann, ja dann, kann er losgehen, der Mann. Alleine in die Wildnis. Mit Fahrrad, Motorrad, Kanu, der Angel oder was immer ihm liegt. Alleine mit sich unter dem klaren Sternenhimmel darf er sich fragen: Was will ich wirklich, wirklich von diesem Leben? Und wieviel von diesem Traum lebe ich schon?

Wie er in die Umsetzung gelang, das weiß er ja schon, denn in jedem Mann steckt der Krieger, der ganz genau weiß, was er tun muss, um die Schlacht zu gewinnen. Der Mann gewinnt an Kraft, indem er Entscheidungen trifft, die seinem inneren Wesen gemäß sind. Wenn er sich denn mal aufmacht, dann geht alles ganz schnell. Radikal sogar, und ohne nach links und rechts zu schauen. Wenn ein Mann in seiner eigenen Männlichkeit erwacht, dann geschieht heilige Magie. Sobald er den ersten Schritt tut, führt ihn Mars auf den richtigen Weg und dann gibt es kein Zurück mehr. Was der Mann am allerwenigsten hierzu braucht ist, eine Frau, die ihm sagt, wo es langgeht! Den größten Liebesbeweis, den eine Frau einem Mann gegenüber erbringen kann ist, ihm zuzutrauen, dass er seinen Weg alleine gehen kann.

Unsere Aufgabe hingegen ist es, uns in dem Vertrauen zu üben, dass auch der Mann eine innere Führung hat (ja, liebe Schwestern, kaum zu glauben, duh!), die ihn genau dahin führt, wo es für ihn richtig ist. Wir kümmern uns jetzt um uns selbst, legen unser manipulatives ich-muss-dienen-um-geliebt-zu-werden-Programm ab und bewegen uns in Richtung sanfte Selbstliebe. Wir beten die Göttin an, bitten sie, uns zu helfen, unsere weibliche Kraft zum Wohle der Erde und des Ganzen einzusetzen, und uns den Weg zu zeigen, wieder unsere ursprüngliche, wilde Weiblichkeit zu leben, um dem neu gewordenen Mann auf Augenhöhe zu begegnen. Wenn dann der Löwe in ihm brüllt, fährt die Tigerin in uns ihre Krallen aus, faucht, um ihre Grenzen zu setzen, und kuschelt sich schnurrend an seine Schulter in dem Wissen um wahre Stärke. Erst, wenn der Mann aufhört, in der Partnerin den Mutter-Ersatz zu suchen, die er emotional retten muss oder die ihm sagt, wo es langgeht, und wenn die Frau ihre weibliche Kraft für sich selbst einsetzt und ihn nicht mehr retten oder umformen will, dann …

… ja dann, wird es erst wirklich interessant!  

Also, liebe Männer, macht Euch
auf den Weg ins neue Land.
Wir kommen mit, gehen
Hand in Hand, dahin wo der
Löwe brüllt, und mit der Tigerin
das Leben tanzt.